Nach Amoklauf in Florida: Sind Videospiele schuld?

Nach Amoklauf in Florida: Sind Videospiele schuld?

Der Amoklauf in Florida in den USA, bei dem am vergangenen Mittwoch an einer Schule 17 Menschen getötet wurden, lässt die Diskussion um Videospiele wieder neu aufleben. So gibt Matt Bevin, republikanischer Gouverneur des US-Bundesstaates Kentucky, Videospielen eine Mitschuld daran, wie Ars Technica berichtet.

Matt Bevin bezieht eine klare Position in der Sache: „Die Waffen sind nicht das Problem, wir haben ein kulturelles Problem. Als wir noch jung waren, wurden Waffen, die man zu Weihnachten bekommen hat, mit in die Schule genommen und den Freunden gezeigt. Es gibt Videospiele, die eigentlich nur für Erwachsene vorgesehen sind, aber Kinder spielen sie dennoch und jeder weiß es. Es gibt nichts, das sie daran hindert. Sie feiern das Abschlachten von Menschen. Es gibt Spiele, die das tatsächlich nachstellen und Punkte dafür vergeben, dass man das Gleiche macht, was diese Schüler in diesen Schulen machen. Man bekommt Extra-Punkte dafür, dass man jemanden erledigt, der am Boden liegt und um sein Leben bettelt.“, schlussfolgert Bevin im Rahmen eines Interviews mit der US-amerikanischen Radiostation WHAS.

Bevin ist für seine extreme Position zum Waffenbesitz bekannt. Nach dem Amoklauf in Las Vegas am 1. Oktober, bei dem 58 Menschen getötet und 851 verletzt wurden, postete er auf Twitter: „An all jene politischen Opportunisten, die die Tragödie in Las Vegas ausnutzen wollen, um schärfere Regeln für Waffen zu fordern…Man kann das Böse nicht regulieren…“

Als Konsequenz auf den Amoklauf fordert Bevin nun schärfere Regeln für Videospiele, TV-Serien und Filme und appelliert für mehr mehr Verantwortungsbewusstsein bei den Produzenten: „Es gibt sogenannte ‚Videospiele‘, die man uns unter dem Deckmantel der freien Meinungsäußerung aufzwingt. Es ist Müll. Es ist das gleiche wie Pornografie. Sie haben Menschen dahingegen desensibilisiert, dass sie den Wert des menschlichen Lebens, die Würde von Frauen oder menschlicher Bescheidenheit nicht mehr schätzen. Wir ernten jetzt, was wir gesät haben.“

Bereits in der Vergangenheit gab man Videospielen die Schuld für Amokläufe und andere Jugendgewalt, besonders seit die Schützen des Columbine-Massakers von 1999 als Fans von Doom entlarvt wurden. Seither hat die Politik bis heute weder die Waffengesetze verschärft noch die Sicherheit an den Schulen verbessert. Auch in Deutschland standen immer mal wieder Diskussionen über Gewaltspiele auf der Tagesordnung: Nach dem Amoklauf im Olympia-Einkaufszentrum in München im Jahr 2016 forderte Innenminister Thomas de Maizière eine erneute Debatte über die sogenannten “Killerspiele”.

Im Gegensatz zu Bevins Meinung steht eine aktuelle Studie der University of York, die bei einer Teilnahme von 3.000 Probanden repräsentative Aussagen zulässt. Darin wird widerlegt, dass Videospiele Gamer dazu bringen würden, sich “auf eine bestimmte Weise zu verhalten”. Dies wäre auch bei realistischen Spielen nicht der Fall. Das Fazit hier: Spiele mit Gewalt hätten die Verhaltensweise in keiner Weise verändert.

Bildquelle: andreas160578, thx! (CC0 Public Domain)

Related Post

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.