Savedroid: Start-Up sorgt mit vorgetäuschtem Exit-Scam für Aufregung

Savedroid: Start-Up sorgt mit vorgetäuschtem Exit-Scam für Aufregung

Für einigen Wirbel sorgte das Start-Up Savedroid mit ihrem vermeintlichen Exit Scam. Zunächst lief alles nach Fahrplan ab: Unter dem Slogan: “Spar dich glücklich” entwickelte Savedroid für Anleger eine App, mit der man kleinere Geldbeträge sparen kann, wobei auch Kryptowährungen mit involviert waren. Es wurde ein ICO ins Leben gerufen, Savedroid-Token (SVD) wurden dafür ausgegeben. Diese Token sollten dann als Zahlungsmittel für die monatlich fällig werdende Abogebühr und die Transaktionskosten der Krypto-Spar-App verwendet werden.

Mit der Spar-Idee hatte das im Jahr 2015 gegründete deutsche Fintech-Unternehmen Savedroid AG mit Sitz in Frankfurt großen Erfolg, es entstand sogar ein regelrechter Hype: Während des Initial Coin Offerings im März 2018 wurden sechs Milliarden „SVD-Token“ ausgegeben, zu einem Gegenwert von etwa 40 Millionen Euro. Insgesamt hatte Savedroid, nach Aussage von Gründer Yassin Hankir, eine Summe von 10 bis 15 Millionen Euro angestrebt. Das Ergebnis lag demnach weit über den Erwartungen. Schon eine halbe Stunde nach dem ICO-Start war ein Sechstel der Token verkauft worden, nach fünf Tagen hatte bereits die Hälfte den Besitzer gewechselt. In einer Telegram-Gruppe mit 50.000 Mitgliedern stand das Team in regem Austausch mit ihrer Community und lieferte regelmäßig Updates zum Projekt.

Am 18. April gab es dann das “böse” Erwachen für die Anleger. Weder war die Webseite des Unternehmens erreichbar, noch war Savedroid auf den Social-Media-Kanälen präsent. Der Telegram-Kanal wurde aufgrund der fehlenden Administratoren mit dubiosen Links zugespammt. Yassin Hankir, CEO und Gründer der Firma, postete auf Twitter zwei Bilder von sich, eines am Flughafen Frankfurt mit ausgestrecktem Daumen, das andere mit einer Flasche Bier in der Hand an einem Strand von Ägypten. Dazu die für die Investoren beunruhigende Nachricht: „Thanks guys! Over and out…“ Danke Leute! Lebt wohl…

Die Gemüter waren erhitzt, es gab sogar Morddrohungen gegen CEO Yassin Hankir, wie er selbst im Interview mit Gründerszene bekannt gab. Hankir legt dort auch die Gründe für sein Handeln dar. Demnach hätte es sich nur um eine PR-Aktion gehandelt. Hankir wollte offenbar eine Botschaft deutlich rüberbringen: “Wir wollten eine sehr klare, wenn auch extrem drastische Nachricht senden. Der Crypto-Markt muss vertrauenswürdiger werden und Savedroid wird hierbei eine pro-aktive Rolle spielen” […] “Meiner Meinung nach ist der ICO-Markt mit hoher Geschwindigkeit im Selbstzerstörungs-Modus unterwegs. Zu vielen geht es lediglich darum zu schauen, wer kann wen über den Tisch ziehen. Das führt dazu, dass die Leute sagen: Kryptowährungen, da sind doch nur Verbrecher unterwegs, kriminelle Geschäfte, Zockerei. Das ist superschädlich, denn der Markt hat ein großes Potenzial und ist superspannend. Wenn wir ihn durch Vertrauensaufbau für den Massenmarkt akzeptabel gestalten.”

In der FinTech-, Startup- und Wirtschaftswelt stieß der angebliche Exit-Scam allerdings auf erhebliche Kritik. Als Reaktion auf den Savedroid-Vorfall haben einige der großen Fintech-Firmen des Landes einen offenen Brief hinsichtlich des Vertrauens in die Branche verfasst: “Ohne Vertrauen ist alles nichts. Daher ist es uns völlig unverständlich und wir sind entsetzt, wie man Kunden, Partner, Regulatoren und die Öffentlichkeit durch PR­-Aktionen in die Irre führen kann, die mit diesem Vertrauen spielen. So geht es nicht! Von so einem Vorgehen distanzieren wir uns.” Aber auch die Reaktionen der Nutzer fielen negativ aus. Sie werfen Hankir und seinem Unternehmen vor, mit der fragwürdigen Aktion das Vertrauen verspielt zu haben. Bleibt nun nur noch abzuwarten, wie es weitergeht für Savedroid und der zunächst so vielversprechenden Idee mit der “Sparschwein-App”…

Bildquelle: Alexas_Fotos, thx! (CC0 Public Domain)

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