Über den Wolken: Bitcoin-Räuber gelingt Flucht aus isländischem Gefängnis

Über den Wolken: Bitcoin-Räuber gelingt Flucht aus isländischem Gefängnis

Der im Zusammenhang mit dem „Großen Bitcoinraub“, bei dem 600 Mining-Rechner gestohlen wurden, inhaftierte Hauptverdächtige Sindri Thor Stefansson, konnte offenbar durch ein Fenster aus seinem Gefängnis Sogn im Süden Islands entkommen. Sein Fluchtweg führte ihn zum 95 Kilometer entfernten Flughafen Keflavik. Dort bestieg er ein Flugzeug nach Schweden. Gleichfalls mit an Bord war auch Premierministerin Katrin Jakobsdottir, berichtet die isländische Nachrichtenagentur RÚV.

Stefansson gilt als Kopf einer Bande von elf Personen, die für eine Serie von vier Einbrüchen Ende vergangenen Jahres festgenommen wurden. Weitere elf Verdächtige wurden seitdem ebenfalls inhaftiert. Die Gruppe erbeutete aus isländischen Rechenzentren 600 Spezial-Mining-Computer, basierend auf teuren Grafikkarten. Die extrem leistungsfähigen Computer sollen fast zwei Millionen Dollar wert sein, das entspricht etwa 1,6 Millionen Euro. Die Rechner sind bisher nicht wieder aufgetaucht. Deren Besitzer haben nun für Tipps eine Belohnung in der Höhe von 60.000 Dollar ausgeschrieben. Der Fall gilt als größter Raub in der isländischen Geschichte. Insgesamt wird gegen 22 Verdächtige ermittelt. In Island wird besonders intensiv nach Kryptowährungen geschürft, da die Energiekosten dort relativ gering sind.

Das Flugticket hat sich Stefansson zwar unter falschem Namen besorgt, allerdings wäre er auf Überwachungsvideos erkannt worden, erklärte die Polizei am Mittwoch. Das Filmmaterial der Überwachungskameras am Flughafen zeigte, wie Stefansson gegen 7 Uhr am Dienstagmorgen in ein Flugzeug nach Schweden eingestiegen sei. Außer dem Flüchtigen war auch Premierministerin Katrin Jakobsdottir mit an Bord. Sie reiste zu einem Treffen der fünf nordeuropäischen Regierungschefs mit dem indischen Kollegen Narendra Modi nach Stockholm. Dem Polizeichef Gunnar Schram zufolge soll Stefansson bei seiner Flucht einen Komplizen gehabt haben.

Stefansson befand sich in der Strafanstalt Sogni mit niedriger Sicherheitsstufe, die in ländlichem Umfeld im Süden Islands liegt. Stefansson war bereits seit Februar in Haft. Vor zehn Tagen wurde er als ‘ungefährlich’ eingestuft und in das Niedrigsicherheitsgefängnis Sogn verlegt. Das Gelände dort ist nicht umzäunt, die Insassen haben Zugang zu Telefon und Internet. Vermutlich entkam der Häftling bereits am Dienstagmorgen. Die Wachen schlugen erst Alarm, als das Flugzeug nach Stockholm bereits abgehoben war.

Stefanssons wird inzwischen mit internationalem Haftbefehl gesucht. Der schwedische Polizeisprecher Stefan Dangardt gab bekannt, dass in Schweden bisher keine Verhaftung erfolgte. Der zuständige Polizeichef erklärt: “Ich kann ohne Zweifel sagen, dass wir ihn kriegen werden – aber nicht wo, wie und wann. Ob es Wochen, Monate oder Jahre dauern wird, ist momentan schwer zu sagen.”

Island zählt lediglich 340.000 Einwohner und es gibt dort kaum Straftaten. Für Helgi Gunnlaugsson, Soziologie-Professor der University of Iceland ist der Vorfall darum außergewöhnlich: „Normalerweise brechen in Island Menschen nur aus dem Gefängnis aus, um etwas trinken zu gehen“, sagt er gegenüber dem Guardian. „Der Untergrund ist winzig und es ist extrem schwierig, sich zu verstecken, geschweige denn das Land zu verlassen.“

Bildquelle: Gellinger, thx! (CC0 Public Domain)

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