Island: Krypto-Miner verbrauchen mehr Strom als die Einwohner

Island: Krypto-Miner verbrauchen mehr Strom als die Einwohner

Der Sprecher des isländischen Energieunternehmens HS Orkas, Johann Snorri Sigurbergsson, gab dem britischen Fernsehsender BBC am Dienstag (13.02.2018) bekannt, dass die in Island beheimateten Bitcoin-Produzenten in diesem Jahr mehr Strom verbraucht haben dürften, als alle isländischen Privathaushalte zusammen.

Sigurbergsson schätzt den jährlichen Stromverbrauch der Bitcoin-Miner auf 840 Gigawattstunden. Wenn man den vergleicht mit den verbrauchten 700 Gigawattstunden, die pro Jahr durch die isländischen Haushalte anfallen, so liegen die Miner deutlich höher im Jahresverbrauch als alle 340.000 Einwohner Islands zusammen.

Als Grund für den hohen Energieverbrauchs nennt Sigurbergsson, dass sich immer mehr Rechenzentren, darunter sogenannte „Miner“, in Island ansiedeln wollen. Es gebe eine große Anzahl von Kundenanfragen: „Wenn all diese Projekte realisiert werden, haben wir nicht genug Energie dafür.“, führt Sigurbergsson aus. In Island etabliert sich gerade ein neues Zentrum für Krypto-„Mining“. Die Vielzahl an erneuerbaren Energiequellen wie Geothermie, Wind- und Wasserkraft, sind für Mining gute Voraussetzungen. Die niedrigen Temperaturen bieten zudem eine natürliche Kühlung der Rechenzentren. Erst kürzlich siedelte sich das „MoonLite“ Projekt in Island an, welches laut eigenen Angaben ab August mehrere industrielle Rechenzentren für Kryptoanlagen ausschließlich durch erneuerbare Energie betreiben will.

So hat sich die ruhige Küstenstadt Keflavik auf der einsamen Südhalbinsel Islands in den vergangenen Monaten als internationaler Knotenpunkt für den Abbau von Bitcoins und anderen virtuellen Währungen entwickelt. In Keflavik befinden sich inzwischen drei große Rechenzentren. Eines davon, Genesis Mining, siedelte 2014 von Deutschland nach Island über, nachdem der Wert der Bitcoin sich von 350 auf 1000 Dollar erhöhte. Einheimische Fischer, die sich an der Hafentankstelle über dampfenden Tassen Kaffee unterhalten, sind von dem entstandenen Phänomen verblüfft, schreibt die Nachrichtenagentur „Associated Press“.

Der Abgeordnete Smari McCarthy von der isländischen Piratenpartei hat vor dem Hintergrund einer wachsenden Kryptoindustrie nun vorgeschlagen, die Kryptoherstellung zu besteuern: „Unter normalen Umständen zahlen Unternehmen, die in Island zur Wertschöpfung beitragen, einen gewissen Betrag an Steuern. Diese Unternehmen tun das nicht, aber vielleicht sollten sie das.“ Später ergänzte er auf Twitter, er wolle jedoch keinesfalls als Gegner der Kryptoanlagen gesehen werden, sondern mit ihnen zusammenarbeiten – “um diese Innovation zu stärken”.

Bildquelle: 12019, thx! (CC0 Public Domain)

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