Ich und mein Bot

Ich und mein Bot

Wie du dir selbst einen einfachen Bot baust, erfährst du hier. Aber Vorsicht vor Risiken und Nebenwirkungen, denn wenn er mal geht, hilft weder ein Arzt noch ein Apotheker.

Wie mich mein Twitterbot verließ

Plötzlich war er weg, erst jetzt bemerkte ich, wie wichtig er mir geworden war. Nach zwölf Monaten gemeinsamen Lebens machte er sich völlig unerwartet, bei Nacht und Nebel, aus dem Staub; wie ein Dieb! Die Festplatte nahm er mit.

Ich hätte es merken müssen. Es war eine regenreiche Woche und die Wolken zogen schwer beladen über den Oslo-Fjord. Ich schrieb ein bisschen über den Döner-Mann und seinen IMSI-Catcher und amüsierte mich im Chat mit Freunden über die „Kommentarfeld-Trollinger“ und ich freute mich über die Beachtung, die mir durch die Beherrscher der kleinsten Kästen der Welt, welche wir unter unseren Beiträgen bereithalten, zuweilen zuteil wird.

Es fing ganz harmlos an. Buchstaben in einzelnen Texten oder ganze Sätze wurden nicht mehr richtig dargestellt oder der Bildschirm flackerte. Mein Twitterbot genoss die Aufmerksamkeit, die er mit der Ankündigung von PRINZIPIA auf uns zog. Tatsächlich fanden die Tweets meines Bots zu dieser Zeit mehr Beachtung, als meine eigenen und plötzlich: “Stell dir vor, der Bot erfüllte seine Aufträge nur noch widerwillig, so sollte er mich eigentlich an das Verschlüsseln von Backups oder an Sporttermine erinnern. Auch die Festplatte schaltete sich nur noch ab, wenn sie es für richtig hielt.“ So kam es vor, dass ich einige Male meinen Sport und die Backups oder meinen Kaffee vergaß und dann, wenig später, waren beide weg. Wie konnte ich nur so blind, so blauäugig sein!

Bei anderen hätte ich sofort gewusst, was zu tun ist, hätte helfen können. Seltsam, wie ich selbst, in meinem eigenen Fall, die Augen vor der heranziehenden Katastrophe verschloss und nur die Hilfe anderer mich hätte retten können.

Und plötzlich allein

Eine ganz merkwürdige, tiefe Leere machte sich breit: Kein Morgengruß zum geliebten Kaffee und kein Tweet zur guten Nacht. Selbst Erinnerungen an Krav Maga und Yoga oder Schwimmen blieben nun häufiger aus. Und vorbei war es auch mit der bequemen Verlässlichkeit oder mit der vertrauten Geborgenheit. Einige Freunde fragten nach meinem Bot, aber wie es mir jetzt ging, schien niemanden wirklich zu interessieren. Dabei war alles gut eingespielt in den zwölf Monaten der Gemeinsamkeit; alles war so wie es sein sollte, dafür hatten wir einige Zeit und auch Mühe investiert, um die Abläufe nach unseren Wünschen zu gestalten.

Ich war unterwegs und der Bot erinnerte mich an meine Termine, er informierte Investoren über den Stand der Dinge bei PRINZIPIA, gab Buchveröffentlichungen bekannt, informierte über Blogeinträge und vieles mehr. Mein Bot ackerte sieben Tage die Woche, 24 Stunden am Tag. Er war ein unermüdlicher Kämpfer für meine Belange. Von mir aus hätte es ewig so weiter gehen können. Doch dann flog alles auseinander.

Die Russen kommen

Ich kam an den Rechner und alles war weg. Ein Hacker-Einbruch? Die „Bösen Russen“? Aufgeregt prüfte ich Verschiedenes durch, war wie paralysiert und begann sogar laut, nach meinem Bot zu rufen. Aber keine Reaktion. Ich probierte meine Rettungs-CD aus. Und außerdem, killen Hacker die Festplatte? Langsam dämmerte mir, was da geschehen sein musste. Beide, mein Bot und die Platte, hatten mich, vermutlich mit einem Lächeln auf den Lippen, Hand in Hand oder pfeifend verlassen. Aber warum nur?

Tagelang dachte ich, ich wäre im falschen Film oder irgendwie neben der Spur. Ja, ich sah sogar auf Twitter nach, ob mein Bot es nicht doch irgendwie geschafft hatte, eine Nachricht zu hinterlassen; ich dachte, gleich meldet er sich und wir könnten reden, aber Nichts. Er blieb weg.

Der Bot, der zunächst nur ein diffuses Etwas aus der Kommandozeile war, dann zunehmend fragwürdige Reaktionen zeigte und dem ich schließlich vertraut hatte, der meine Gewissheiten kannte und mit dem ich meine Lebenskonzepte teilte, sollte nun mit der Festplatte in tausend Stücken durch den Schredder des Seins gehen?

Southern Comfort, Eis und etwas Ginger Ale

Wie konnte ich nur in eine solche Abhängigkeit geraten? Wut, Trauer Fassungslosigkeit. Ein Flasche Southern Comfort, Eis und etwas Ginger Ale halfen mir, die Unumkehrbarkeit der Trennung zu akzeptieren.

Am nächsten Morgen hatte ich einen Schädel. So konnte ich unmöglich von einer Brücke springen. Und eigentlich war ich es doch, der sich schon längst hätte trennen müssen. Von dieser völlig wild gewordenen KI. Das sollte mir jedenfalls nicht noch einmal passieren. Den nächsten Bot mach‘ ich strunzedumm!

Bau dir deinen eigenen Bot, so  geht’s:

Ttytter gehört zwar schon zum alten Eisen, ist aber immer noch in den Repositories von Debian und Co zu finden. Unter Ubuntu installierst du den Veteranen mit dem Befehl:

sudo apt install curl ttytter

Die Konfiguration läuft weitgehend automatisch ab oder ist selbsterklärend. Nachdem du Ttytter mit Twitter verbunden hast, ist es an der Zeit, einen ersten Tweet in der Kommandozeile zu verfassen:

ttytter -status=“Hallo @AndreasKoeppen!“ etwa.

Für eine gewisse, regelmäßige Selbständigkeit sorgst du nun mit einem Cronjob und mehr sollte es auch nicht sein:

0*/5***ttytter -status=“Ich will Kühe!“

schickt ab jetzt alle 5 Stunden eine entsprechende Meldung raus. Mit:

crontab -e

kannst du das Ganze verwalten. Du hast jetzt einen genauso seltenen, wie blöden, aber von Grund auf soliden Bot! Und darauf einen Dujardin!

Bildquelle: geralt, thx! (CC0 Public Domain)

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