Porsche: Blockchain-Technologie hält Einzug in die Automobilindustrie

Porsche: Blockchain-Technologie hält Einzug in die Automobilindustrie

Während die EU-Kommission Anfang Februar noch eine Beobachtungsstelle sowie ein Expertenforum für Blockchain-Technologie einrichtete, einer Technik, die auch sichere Anwendungen im Gesundheitssektor, Energiebereich oder in der öffentlichen Verwaltung ermögliche, könne, wie sie meint, “vollkommen neue Grundlagen für weite Teile unserer Wirtschaft schaffen”. Dementsprechend hat die Industrie nun bereits reagiert. Vorreiter ist Porsche. Gemeinsam mit einem Startup wurden Blockchain-Lösungen für Porsche-Autos entwickelt, gab Porsche bekannt.

So hat Porsche nach eigenen Angaben als erster Hersteller das System der Blockchain im Fahrzeug verbaut. Binnen weniger Monate wurde mit Hilfe eines Berliner Startups ein Porsche Panamera mit der Technologie bestückt. Das Berliner Startup XAIN hatte im Juni 2017 den „Porsche Innovation Contest“ zum Thema Blockchain gewonnen und stellte seine Ergebnisse bei einem Digitalisierungs-Workshop des Autoherstellers in Stuttgart vor. Nun sind gemeinsam mit Porsche schon die ersten Testszenarien für die Anwendung der sicheren Transaktionstechnologie durchgespielt wurden. Das Auto benötigt einige nicht ganz einfache Anpassungen. Für Anwendungen der Blockchain bei Finanztransaktionen braucht es derzeit einen hohen Rechen- und Energieaufwand. Damit ein Auto zum Teil eines Blockchain-Rechnernetzwerkes werden kann, muss der Algorithmus derart angepasst werden, dass sich dieser Aufwand drastisch verringert.

Bei dem Projekt geht es nicht nur um neue Ideen, sondern auch um Tempo. Nur drei Monate habe es gedauert bis man gemeinsam Anwendungen entworfen und getestet habe: „Wir haben das mit sehr geringem bürokratischen Aufwand hinbekommen“, zeigte sich Oliver Döring, Porsche-Projektleiter für die Finanzstrategie, mit den Ergebnissen zufrieden. “Wichtig sei es gewesen, Fehler zuzulassen und aus ihnen zu lernen.” Er sieht in der Blockchain enormes Potenzial: „Wir können damit Daten schneller und sicherer übertragen und unseren Kunden so in Zukunft noch mehr Komfort bieten, sei es beim Laden, Parken oder um Dritten, wie etwa einem Paketzusteller, temporären Zugang zum Fahrzeug zu gewährleisten. Wir übersetzen die innovative Technologie direkt in Kundennutzen.“

Das Ziel der Innovation ist es, das Auto selbst zu einem Teil der Blockchain zu machen, sodass eine direkte offline Verbindung entsteht, also ohne Umwege über einen Server. Jede Veränderung ist in der Blockchain in chronologisch aufeinanderfolgenden Datenblöcken erfasst – transparent und fälschungssicher. Die entwickelten Services auf Basis der Blockchain erwiesen sich als schnell und sehr sicher.

Tests wurden bisher zum Ver- und Entriegeln eines Fahrzeugs per Blockchain über eine App durchgeführt. Nach mehrstufiger Beschleunigung des Vorgangs wurde eine Reaktionszeit von 1,6 Sekunden erzielt. Das ist bis zu sechs Mal schneller als auf bisherig verwendeten Applikationen. Zudem wird zeitgleich eine überaus effiziente kryptographische Verschlüsselung vollzogen. Der Vorteil besteht darin, dass alle Aktivitäten unveränderbar in der Blockchain dokumentiert und via App einsehbar sind. Demzufolge können jegliche Transaktionen in Verbindung mit dem Auto digital sicher verteilt und in Real-Time vom Eigentümer verfolgt werden. Ein Remote Zugriff ist obligatorisch, eine Beeinflussung von Fahrzeugdaten wäre unmöglich.

Gleichzeitig sichert die Blockchain jegliche Kommunikation zwischen allen Teilnehmern ab. Drittanbieter können ohne zusätzliche Hardware sondern per „Smart Contracts“ Zugriff erhalten. Smart Contracts sind automatisierte Verträge, die Transaktionen auslösen, wenn vorher definierte Voraussetzungen erfüllt wurden. Eine eindeutige Vertragseinhaltung wäre damit gesichert. Aber auch eine verlässliche Kommunikation von autonomen Autos untereinander ist zentraler Bestandteil des Testprogramms. Autonome Fahrzeuge könnten auf die Art Informationen über Verkehrssituationen austauschen und der Kunde könne auf geschützte Schwarmdaten zugreifen.

Porsche demonstrierte am 23.02.2018 in Filderstadt die Weltpremiere für die Blockchain in einem Auto als Beispiel, wie man in der Digitalisierung mitmischen will. Die Blockchain wäre zwar noch in der Prototypenphase, doch die ersten Ergebnisse, die Porsche gemeinsam mit dem Berliner Startup Xain AG entwickelt hat, seien sehr vielversprechend: „Wir erwarten, dass wir damit 2021 an den Start gehen und Blockchain-Technologie integrieren können“, äußerte sich Porsche IT-Vorstand Lutz Meschke optimistisch.

Bildquelle: scan5353, thx! (CC0 Public Domain)

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