EU-Parlaments-Beschluss: Geoblocking ist passé

EU-Parlaments-Beschluss: Geoblocking ist passé

Durch Geoblocking wird verhindert, dass EU-Bürger via Internet auch im Ausland shoppen können. Doch damit soll nun Schluss sein. Nach einer heutigen (27.02.2018) Entscheidung des EU-Parlaments, wird die Verordnung voraussichtlich Ende dieses Jahres in Kraft treten. Auch die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union haben sich auf das Ende des Geoblockings beim Internethandel geeinigt.

Bisher konnten Online-Händler mit Hilfe des Geoblocking den Zugang zu bestimmten Bestellseiten verweigern, wenn die Kunden in einem anderen Staat ansässig waren oder im Ausland ausgestellte Kreditkarten benutzten. Oftmals wurden dabei ausländische Kunden automatisch an Webseiten weitergeleitet, wo das Angebot nicht verfügbar oder teurer war. Davon profitierten vor allem die großen Onlineshops.

Einer Erhebung der EU-Kommission aus dem Jahr 2015 hat ergeben, dass auf 63 Prozent aller Webseiten Geoblocking-Praktiken angewendet werden. Nur auf ca. 40 Prozent aller Seiten im Onlinehandel können Verbraucher aus jedem der 28 Mitgliedstaaten zugreifen und einen Einkauf zu Abschluss bringen, ohne benachteiligt zu werden.

Wie der EU-Rat erklärte, sei Geoblocking eine diskriminierende Praxis, die Online-Kunden davon abhalte, Dienste und Produkte auf Webseiten aus anderen EU-Staaten in Anspruch zu nehmen. So erhoffen sich die EU-Länder vom Verbot dieser Praxis: “eine größere Auswahl und folglich bessere Angebote für Verbraucher und mehr Möglichkeiten für Händler im Internet”, gab der EU-Rat bekannt.

Die neue Verordnung soll nun faires Online-Shopping für alle ermöglichen. So wird es Händlern künftig nicht mehr möglich sein, ausländische Käufer von ihren Angeboten auszuschließen oder automatisch auf Webseiten mit beispielsweise anderen Preisen weiterzuleiten. Falls der Online-Händler generell nicht in das Wunschland liefert, sollen Käufer zumindest die Möglichkeit bekommen, ihre Ware selbst abzuholen oder den Transport zu organisieren. Für Online-Dienste. wie Clouds, darf es künftig ebenfalls kein Geoblocking mehr geben.

Ausgenommen von der Regelung sind urheberrechtlich geschützte, digitale Medien, wie E-Books, Filme, Musik und Computerspiele. Zwei Jahre nach Inkrafttreten der neuen Verordnung steht dem EU-Rat zufolge eine Überprüfung durch die EU-Kommission an, die möglicherweise eine Ausweitung des Geoblocking-Verbots auf digitale Medien nach sich ziehen könnte. Unter anderem fordern die Grünen dies bereits jetzt.

Bei bezahlten Streamingdiensten, wie Netflix, Sky Go oder Spotify, ist das Geoblocking schon ab Ende März 2018 verboten, sie müssen ab der Zeit für Abonnenten auch im Ausland frei zugänglich sein. Das kostenlose Streaming aus der ARD-Mediathek orientiert sich jedoch weiterhin an den nationalen Grenzen der Mitgliedsstaaten, um die Urheberrechte, die innerhalb der EU noch national geregelt sind, zu schützen.

Bildquelle: geralt, thx! (CC0 Public Domain)

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