Alliance for Creativity and Entertainment (ACE) im Kampf gegen Online-Piraterie

Alliance for Creativity and Entertainment (ACE) im Kampf gegen Online-Piraterie

Im vergangenen Sommer wurde die Alliance for Creativity and Entertainment (ACE) mit Mitgliedern, wie großen Hollywood-Studios, Amazon, Netflix und mehrerer anderen Medienunternehmen ins Leben gerufen. In ihr haben sich 30 Medien- und Unterhaltungsunternehmen aus verschiedenen Ländern zusammengeschlossen, um gemeinsam gegen eine illegale Verbreitung von Piratenangeboten ihrer Inhalte vorzugehen. Besonders nehmen sie zunehmend die Anbieter von Set-Top-Boxen von Kodi ins Visier, weil man mit „Kodi-Boxen“ und entsprechenden Piraten-Addons Kopierschutzmaßnahmen umgehen kann. So auch Amazon als eines der Mitglieder, berichtet TorrentFreak.

Ursprünglich ist Kodi eine Software, die zum Abspielen eigener Videos und Musik sowie freier Netz-Inhalte aus Mediatheken, dient. Mit entsprechenden eingespielten Add-ons aus Dritt-Repositories allerdings gewährt die Software dann jedoch auch Zugriff auf Pay-TV-Streams, Sportübertragungen, Filme sowie auf Serien aus illegalen Quellen. Zudem sind verschiede Werbe-Angebote, u.a. auf YouTube zu finden, die erklären, wie man mit Kodi auf angepassten Android-Sticks kostenlos Pay-TV und Kinofilme streamen könne.

Es ist das erklärte Hauptziel der ACE, diese Piratenboxen vom Mark zu nehmen. So verschickten sie in der Vergangenheit bereits Drohbriefe an mehrere Kodi-Add-on-Entwickler. Darüber hinaus reichte ACE Klage gegen drei Anbieter solcher angeblichen Piraten-Streaming-Boxen ein. Ihr Vorgehen ist nicht unbemerkt geblieben und hatte zur Folge, dass sich einige Entwickler und Verkäufer zurückzogen oder komplett aus dem Geschäft ausstiegen. So sind die voll ausgerüsteten Piratenboxen, die sowohl mit einem eingebauten Mediaplayer, als auch mit Piraten-Add-ons ausgeliefert werden, bei ACE-Mitglied Amazon nur noch schwer zu finden. Es entfernte Zehntausende von Listings davon.

Ebenso betrifft das die Dragon Box, die jetzt von Amazon und den anderen verklagt wird. Sie wurde zuvor sogar auf Amazon verkauft. Das war auch der Grund, warum das Unternehmen als Verteidigung argumentierte, es habe “Amazons implizierte Genehmigung, das Gerät zu fördern und zu verkaufen”. Jedoch sind aktuell offensichtlich diese Dragon Boxes aus dem Amazon-Inventar entfernt worden und dort nicht länger zum Verkauf zugelassen. Allerdings gibt es dennoch auf der Verkaufsplattform von Amazon noch zahlreiche Media-Playern zu kaufen. Während diese durchaus legal sind, zeigen jedoch Reviews von Amazon-Mitgliedern, manchmal sogar mit Screenshots, wie diese einfach umgerüstet werden können, um darauf Piraten-Add-ons zu betreiben.

Die Folgen, falls Amazon derartige Geräte in seinen Versandzentren aufspürt, sind sehr weitreichend, die Maßnahmen durchgreifend, denn dann werden diese dort umgehend aus dem Verkehr gezogen und zerstört. Die Anbieter bekommen dafür keine Entschädigung. Im Gegenteil: Wenn Amazon konkrete Beweise für illegale Aktivitäten hätte, behält man sich sogar das Recht vor, noch ausstehende Zahlungen an den jeweiligen Händler zurückzuhalten.

Während also ACE längst den Kampf aufgenommen hat gegen Dragon Boxes sowie Piraten-Add-ons, so ist der Amazon-Store allerdings immer noch mit Büchern bestückt, die Newcomern erklären, wie sie einige gerade dieser Add-ons installieren, die Amazon doch so vehement bekämpft. TorrentFreak führt hier als Beispiel an, wie die Autoren dieser ganz speziellen Bücher auf Amazon werben: Mit “möchten Sie Area 51 IPTV oder Set TV auf Ihrem Kodi und Amazon Fire-TV-Stick oder Fire TV installieren?”, wird in einer Anleitung speziell auf Set TV Bezug genommen. Hier ein anderes Beispiel: “Willst du Supremacy, Dogs Bollock, Covenant, Genesis Reborn und Neptune Rising installieren?”.

Zwar wurde bisher keines dieser Add-ons vor Gericht für illegal erklärt. Auch darüber zu schreiben ist zudem nicht illegal. Im September 2016 hat die Europäische Kommission, der legislative Arm der Europäischen Union, Vorschläge zur Modernisierung des Urheberrechts veröffentlicht und die vorgeschlagenen Urheberrechtsgesetze, die derzeit in Brüssel geprüft werden, könnten das illegale Streaming für immer verändern. In Artikel 13 des vorgeschlagenen Gesetzes wird Online-Diensten die Pflicht auferlegt, sicherzustellen, dass Inhalte, die ihre Nutzer hochladen, das Urheberrecht nicht verletzen. Im Wesentlichen müssen Video-Sharing-Plattformen sicherstellen, dass das, was auf ihre Websites hochgeladen wird, nicht gegen das Urheberrecht verstößt, damit ist für Rechteinhaber die Tür geöffnet, um eine Entschädigung zu fordern. Wenn dies der Fall ist, hätte es zudem einen großen Einfluss auf die Verfügbarkeit von illegalen Streams, auf die Kodi-Add-ons von Drittanbietern bisher noch zugreifen können.

Jedoch dürfte klar sein, dass Amazon diese Werkzeuge, wie die Add-ons, an sich auch als Piratenwerkzeuge betrachtet. Dies führt zu der völlig absurden Situation, dass einerseits Amazon Anbieter verklagt, die Geräte verkaufen, die mit dem Covenant-Add-on ausgeliefert werden und andererseits Bücher anbietet, die den Leuten zeigen, wie sie das selbst einrichten. TorrentFreak schreibt darüber sehr treffend: “Das lässt Amazon ziemlich schlecht dastehen, zumal ein Teil der Gewinne für diese Titel in die eigenen Taschen fließt.”

Bildquelle: jackmac34, thx! (CC0 Public Domain)

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