Facebook: Daten-Sharing-Partnerschaften mit Handy-Herstellern

Facebook: Daten-Sharing-Partnerschaften mit Handy-Herstellern

Gemäß eines Medienberichtes der New York Times hat Facebook in den letzten zehn Jahren mit rund 60 Geräteherstellern, darunter Apple, Amazon, BlackBerry, Microsoft und Samsung, Vereinbarungen getroffen, die den Unternehmen weitreichenden Zugang zu Nutzerdaten gewährten, bevor Facebook-Apps auf Smartphones verfügbar waren. Die Angebote ermöglichten es Facebook, seine Reichweite auszudehnen und zugleich den Geräteherstellern die Möglichkeit zu geben, Kunden beliebte Funktionen des sozialen Netzwerks anzubieten, wie z. B. Messaging, “Gefällt mir” -Schaltflächen und Adressbücher.

Facebook traf damals die Vereinbarungen, Telefon- und anderen Geräteherstellern den Zugriff auf große Mengen persönlicher Daten ihrer Nutzer zu ermöglichten mit dem Ziel, selbst zum weltweit dominierenden Social-Media-Service aufsteigen zu wollen. Allerdings lassen die Daten-Sharing-Partnerschaften Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes des Unternehmens und der Einhaltung eines 2011 erteilten Dekrets mit der US-Handelsaufsicht Federal Trade Commission (FTC) aufkommen.

Facebook gestattete den Geräteherstellern ohne deren ausdrückliche Zustimmung Zugriff auf die Daten von Freunden der Nutzer. Einige Gerätehersteller konnten persönliche Informationen sogar von Freunden der Benutzer abrufen, die glaubten, dass sie jegliche Freigabe gesperrt hatten. Die zugänglichen Nutzerdaten umfassen der “New York Times” zufolge Nutzer-ID, Name, Foto, Standort, E-Mail-Adresse, private Nachrichten mitsamt den Antworten und den Nutzer-IDs der Antwortenden, Beziehungsstatus, Religionszugehörigkeit, politische Einstellung und kommende Veranstaltungen.

Die meisten Partnerschaften blieben bestehen, trotz des Datenskandals um Cambridge Analytica, die private Informationen von mehreren Millionen Facebook-Nutzern missbrauchte. Konnte sich Facebook hier teilweise noch als Opfer positionieren, wird das bei diesem neuen Datenhandel, den die New York Times (NYT) gerade aufgedeckt hat, kaum mehr möglich sein. Nach der Enthüllung des Cambridge Analytica-Skandals versuchte Facebook zu beschwichtigen und meinte, dass man den Zugriff auf die Freundesliste bereits 2015 unterbunden habe. Was jedoch unerwähnt blieb, war, dass für Gerätehersteller diese Möglichkeit auch danach offen gehalten wurde.

Die New York Times testete mit dem Blackberry-Gerät eines Redakteurs die Zugriffsmöglichkeiten und stellte bei dem Test fest, dass sie zu Abfragen von Namen, IDs, Geburtstage, Arbeitsplatz, Ausbildung und Onlinestatus zu dessen 556 Freunden bekamen, sowie auch personenbezogene Daten von deren insgesamt 294.258 Freunden. Facebook dementiert in seinem Blogpost der Darstellung der Zeitung, wonach all das ohne das Wissen und Einverständnis der Nutzer möglich sei.

Diese Partnerschaften allerdings hat Facebook mittlerweile bestätigt und sie als Notwendigkeit bezeichnet. Sie geben an, ihre Partnerschaften würden durch Verträge geregelt, die die Nutzung der Daten streng beschränken, einschließlich aller, die auf den Servern der Partner gespeichert sind, ihnen wären zudem keine Fälle bekannt, in denen die Informationen missbraucht worden seien. Das Unternehmen betrachtet seine Gerätepartner als Erweiterungen von Facebook, also als sogenannte Service-Provider, nicht als externe Drittanbieter von Diensten, wie es die Entwickler von Apps seien. Und Service-Provider sind von den FTC-Vorgaben ausgenommen. Der Konzern weist deshalb den Vorwurf zurück, damit die eigene Datenschutzrichtlinie oder die FTC-Vorgaben verletzt zu haben. Weil viele Smartphone-Nutzer heute Geräte haben, die mit iOS oder Android funktionieren, müssten Facebook-Funktionen nicht mehr direkt im Betriebssystem verankert sein. Deshalb wären aktuell solche Kooperationen mit anderen Tech-Konzernen oftmals nicht mehr nötig und würde zurückgefahren. So wären 22 von ihnen bereits beendet.

Zu dem Vorfall haben sich bereits einige involvierte Konzerne geäußert. Apple gab an, man habe die Daten bis September 2017 verwendet, damit Nutzer Fotos auf Facebook veröffentlichen können, ohne dafür die Facebook-App öffnen zu müssen. Microsoft lässt durchblicken, die Daten seit 2008 zur Kontakt- und Freundesverwaltung auf dem jeweiligen Gerät eingesetzt zu haben, ähnlich wie Blackberry.

Serge Egelman, Datenschutzforscher an der Universität von Kalifornien, Berkeley, führt dazu aus: “Man könnte denken, dass Facebook oder Handy-Hersteller vertrauenswürdig sind, aber das Problem ist, dass mehr und mehr Daten auf dem Gerät gesammelt werden – und wenn es von Apps auf den Smartphones abgerufen werden kann, dann entstehen ernsthafte Datenschutz- und Sicherheitsrisiken.”

“Es ist, als hätte man Türschlösser installiert, nur um herauszufinden, dass der Schlosser auch allen seinen Freunden Schlüssel gab, damit sie reinkommen und ihre Sachen durchwühlen können, ohne dass sie um Erlaubnis fragen müssen”, sagte Ashkan Soltani, früherer Cheftechnologe der US-Handelsaufsicht FTC.

Bildquelle: Clker-Free-Vector-Images, thx! (CC0 Public Domain)

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