ICO-Werbegag auf Mount Everest endet tragisch

ICO-Werbegag auf Mount Everest endet tragisch

Ein Werbegag eines ukrainischen Social-Media-Netzwerkes bestand darin, dass es vier Krypto-Enthusiasten gesponsert hat, den Mount Everest zu besteigen und dort eine Festplatte, die durch Plastikverpackungen geschützt war, zu vergraben. Diese enthält digitale Tokens im selbstgeschätzten Wert von 50.000 Dollar und soll laut Financial Times zum Tod eines nepalesischen Sherpa geführt haben, der die Gruppe begleitete.

Der Wert der Kryptowährung, von der das Unternehmen sagt, dass sie jetzt auf einer Festplatte liegt, basiert auf einer “Schätzung ihres Wertes nach dem Vorverkauf und der ICO-Einführung”, sagt ein Sprecher. Anlässlich eines Initial Coin Offerings (ICO) der ukrainischen Social-Media-Plattform AskFm wurden vier Männer von dem Unternehmen gesponsert, den Mount Everest zu besteigen. Am höchsten Gipfel der Welt sollte dann eine Festplatte, quasi als Publicity-Gag, vergraben werden, auf der sich AskFm-Token im selbsterrechneten Wert von rund 50.000 Dollar befinden.

Die Glanzleistung, die Sir Edmund Percival Hillary noch zusammen mit dem nepalesischen Bergsteiger Tenzing Norgay am 29. Mai 1953 vollbracht hat, die Erstbesteigung des Mount Everest, des höchsten Berges der Erde – nichts Geringeres als Ziel als diese Bergbesteigung hat sich auch das Social-Media-Netzwerk AskFm vorgenommen.

Während jedoch der Aufstieg und zudem auch das Vergraben der Festplatte noch erfolgreich waren, kam es beim Abstieg zu einem tragischen Zwischenfall. Einer der lokalen nepalesischen Bergführer, Lam Babu, ist dabei uns Leben gekommen, obwohl er ein erfahrener Bergsteiger war, der vorgeblich schon viele Male den Berggipfel erreicht hatte. Ein Vertreter des nepalesischen Tourismusministeriums berichtete der Financial Times, dass er gehört habe, der 45-jährige Sherpa wäre von der “Schneeblindheit” betroffen gewesen, einem extrem schmerzhaften, vorübergehenden Sehverlust, der durch Überbelichtung der von Eis und Schnee reflektierten UV-Strahlen der Sonne verursacht wurde. Er hat die Orientierung verloren und sich so verlaufen. Da der Sherpa nicht ins Camp zurückkehrte, wurde er für tot erklärt. Die genauen Umstände seines Todes sind noch ungeklärt.

Alan Arnette, einem Bergsteiger aus Colorado, der die Geschehnisse am Mount Everest in seinem Blog begleitete und der jede Saison Everest-Events abdeckt, bezeichnete die Tragödie als “vermeidbaren Todesfall”. Doch auch die Bergsteiger, die für AskFm unterwegs waren, gerieten bei Abstieg in eine Notlage. In einer Höhe von mehr als 7000 Metern ging den Bergsteigern die Sauerstoffversorgung aus. Sie konnten den Rückweg aus eigener Kraft nicht mehr weiter fortsetzen und mussten von einem Helikopter gerettet werden.

In einem Blogpost von AskFm wurde zwar über die Rettungsaktion berichtet, den tragischen Tod des Sherpas erwähnte man jedoch nicht. Ungeachtet des Todesfalls ermuntern die AskFm-Verantwortlichen in einer Promo für den Stunt, die Anfang Mai veröffentlicht wurde, andere Bergsteiger, den Schatz, also die Festplatte mit den darauf gespeicherten Token, zu heben – “vorausgesetzt, sie sind mutig genug”. Und das alles für Token, die erwiesenermaßen nur auf der Schätzung eines Wertes basieren, “sobald der Vorverkauf und die Einführung der ICO abgeschlossen sind.”

Financail Times wertet das wie folgt: “Nun ermutigt diese Firma Bergsteiger immer noch, nach digitalen Token zu suchen, die keinen erwiesenen Wert haben, obwohl eine erfahrene Person, die an ihrer Platzierung beteiligt war, dabei ihr Leben verlor.”

Bei ICOs von Kryptowährungen kam es in der Vergangenheit schon oftmals zu eigenartigen Werbegags. Dazu zählt sicher auch der Marketing-Gag eines deutschen Krypto-Start-ups. Hier hat der CEO im Zuge eines ICOs sein Untertauchen vorgetäuscht. Er rechtfertigte seine Aktion damit, dass er auf die vielen Betrugsfälle bei ICOs hinweisen und die Nutzer so warnen wollte. Was jedoch ursprünglich als Joke gedacht war, ging hier offenbar nach hinten los und wurde stark kritisiert. Nutzer wandten sich in der Folge von dem Start-up ab. Jedoch stellt diese tragische Mount Everest-Aktion diese anderen Vorfälle noch weit in den Schatten.

Bildquelle: Simon, thx! (CC0 Public Domain)

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