Nobelpreisträger Robert Shiller: Sind Bitcoin nur ein weiteres gescheitertes Währungsexperiment?

Nobelpreisträger Robert Shiller: Sind Bitcoin nur ein weiteres gescheitertes Währungsexperiment?

Yale-Professor und Wirtschaftsnobelpreisträger Robert Shiller warnt in seinem gestern veröffentlichten Blogbeitrag, dass sich in Kryptowährungen einige der berühmtesten gescheiterten Währungsexperimente der Geschichte widerspiegeln würden. Er belegt seine These mit zahlreichen interessanten Beispielen. Robert Shiller wurde als Mahner auf dem Aktienmarkt vor dem Dot-Com-Crash bekannt.

Die Revolution der Kryptowährung, die im Jahre 2009 mit Bitcoin begann, behauptet, neue Arten von Geld zu erfinden. Es gibt jetzt fast 2.000 Kryptowährungen und Millionen von Menschen weltweit sind begeistert von ihnen. Was ist für diesen Enthusiasmus verantwortlich, der bisher allen Warnungen, die Innovation sei eine Farce, trotzten? Sind Bitcoin nur ein weiteres gescheitertes Währungsexperiment? Diesen Frage geht Robert Shiller auf den Grund, indem er unsere eigene Vergangenheit näher beleuchtet.

So zieht Shiller Parallelen zu Beispielen aus der Geschichte heran, um darauf aufmerksam zu machen, dass die Konzepte der Kryptowährung immer noch scheitern könnten. Zwar bliebe derzeit die Begeisterung für die Tausende von bestehenden Kryptowährungen, einschließlich Bitcoins, trotz ewiger Warnungen, dass sie wertlos sind, von Investoren, wie Warren Buffett, ungebrochen, jedoch würden laut Shiller Versuche einhergehend mit der gleichen Manie, neue Geldeinheiten zu lancieren, bereits seit den 1800er Jahren in verschiedenen Formen auftreten – und diese wären ausnahmnslos fehlgeschlagen. Daher resultiert auch seine Skepsis, meint er doch: “Kryptowährungen spiegeln einige der berühmtesten gescheiterten Währungsexperimente der Geschichte wider. Doch während neue monetäre Innovationen zunächst für Aufregung sorgen, halten sie nicht lange an.”

In seinen Beispielen weist Shiller auf das frühe 19. Jahrhundert hin, als Händler versuchten, den Goldstandard durch “Zeitgeld” zu ersetzen. Zudem führt er Josiah Warner an, der 1827 den “Cincinnati Time Store” eröffnete und dort Waren in Einheiten von Arbeitsstunden verkaufte. Diese stützten sich auf Arbeitsnoten, die dem Papiergeld ähnelten. Während sie jedoch als Zeichen der Bedeutung der Werktätigen galten, schloss das Geschäft bereits 1830 wieder. Zwei Jahre später versuchte Robert Owen, die National Equitable Labour Exchange in London zu gründen. Diese stützte sich auf ‘Zeitgeld’ als Währung. Doch ähnlich wie bei Warner scheiterte ebenso Owens Experiment. Gleichfalls schlugen Karl Marx und Friedrich Engels vor, dass die zentrale kommunistische Prämisse “Abschaffung des Privateigentums” mit einer “kommunistischen Abschaffung von Kauf und Verkauf” einhergehen würde. Die Beseitigung von Geld war jedoch unmöglich, und kein kommunistischer Staat zog dies jemals in Erwägung. Danach – Hundert Jahre später, während der Weltwirtschaftskrise, schlug der Ökonom John Pease Norton einen Dollar für Elektrizität vor, der nicht durch Gold, sondern durch Strom gestützt wurde. Jedoch auch der Versuch konnte sich nicht durchsetzen.

Shiller erklärt: “Jede dieser monetären Innovationen wurde mit einer einzigartigen technologischen Geschichte verbunden. Aber im Grunde genommen sind alle mit einer tiefen Sehnsucht nach einer Art Revolution in der Gesellschaft verbunden. Die Kryptowährungen sind ein Statement des Glaubens an eine neue Gemeinschaft von unternehmerischen Kosmopoliten, die sich über nationale Regierungen halten, die als Treiber eines langen Zuges von Ungleichheit und Krieg angesehen werden.”

Bitcoin und Kryptowährungen wären da nicht anders, macht Shiller begreiflich. So könne der Hype um Bitcoin auch teilweise auf sein Geheimnis zurückgeführt werden: “Praktisch niemand außerhalb der Informatikabteilungen kann erklären, wie Kryptowährungen funktionieren, und dieses Mysterium schafft eine Aura der Exklusivität, verleiht dem neuen Geld Glamour und füllt die Anhänger mit revolutionärem Eifer. Nichts davon ist neu und wie bei früheren monetären Innovationen, könnte eine scheinbar fesselnde Geschichte nicht genug sein.” Die Faszination des Publikums war zweifellos auch mit dem kometenhaften Preisanstieg von Bitcoin verbunden. Die weltweit erste Kryptowährung stieg im letzten Jahr auf fast 20.000 US-Dollar, bevor sie im ersten Quartal 2018 rund die Hälfte ihres Wertes verlor, nun jedoch scheint sich der Aufwärtstrend fortzusetzen.

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