Operation Hotel: Schutzmaßnahmen für Assange kosten Ecuador 66.000 Dollar pro Monat

Operation Hotel: Schutzmaßnahmen für Assange kosten Ecuador 66.000 Dollar pro Monat

Nach Quellen der Süddeutschen Zeitung und des britischen “Guardian” unter Berufung auf vertrauliche Unterlagen investierte Ecuador mindestens fünf Millionen Dollar in den Schutz von WikiLeaks-Gründer Julian Assange. Die Aktion namens “Operation Hotel” laufe seit mehr als fünf Jahren und würde pro Monat durchschnittlich 66.000 Dollar kosten. Allein zwischen Juni 2012 und August 2013 fiel für die verdeckte Operation eine knappe Million Dollar an Kosten an, mehr als 800.000 Euro. Diese Überwachung wäre zu Assanges Schutz, sei er doch aus Sicht seiner Bewacher in seinem Exil gleich mehreren Bedrohungen ausgesetzt.

So lebt Assange völlig abgeschottet in der ecuadorianischen Botschaft in London. Als eine Gefahrenquelle gilt demnach die britische Polizei. Man rechnet damit, dass unter einem medizinischen Vorwand in die Botschaft eingedrungen und Assange festgenommen werden könnte. Als zweite Gefahrenquelle gilt Assange selbst, dem zu schaffen macht, das Gebäude nicht verlassen zu können. Einerseits sorgen sich seine Bewacher um seinen seelischen Zustand, andererseits fürchten sie aber auch, dass seine politischen Aktivitäten die Beziehungen Ecuadors zu anderen Staaten belasten könnten.

Als Überwachungsbasis für die Operation dient eine in der Nähe, im teuren Viertel Knightsbridge, angemietete Wohnung, für die allein schon monatliche Kosten in Höhe von mehr als 4000 Euro im Monat an Miete anfallen. Von dort aus überwachen drei Spezialisten einer europäischen Sicherheitsfirma, angeheuert vom ecuadorianischen Geheimdienst, Assange rund um die Uhr. Das Geld dafür stamme aus einem Sonderetat des Geheimdiensts. Nicht einmal der Botschafter Ecuadors wäre darüber informiert gewesen, so heißt es. Die Überwachungsmaßnahmen werden zudem mit zusätzlich installierten Kameras in der Botschaft durchgeführt. Zunächst galt die seit fünf Jahren laufende Aktion nur der Sicherheit Assanges. Alle empfangenen Besucher, wie Politiker, Anwälte, Journalisten und Freunde, durchsuchte man umfassend, sogar Blumensträuße, die für ihn bestimmt waren, wurden aus Vorsicht heraus entsorgt.

Allerdings sollen die Spezialisten seit dem Regierungswechsel in Ecuador auch Assange selbst im Auge behalten. So soll er laut einem Protokoll aus dem Jahr 2017, offenbar ein Gespräch mit zwei Gästen mitgeschnitten haben. Daraufhin befürchteten seine Bewacher, dass er auch vertrauliche Gespräche mit dem ecuadorianischen Botschafter aufnehmen könnte. Zudem fanden sie heraus, dass er sich in das abgeschottete Intranet der Botschaft gehackt hatte und auch geheimes Material der Diplomaten mitlesen konnte. Zuletzt äußerte sich der WikiLeaks-Gründer zu den Vorgängen in Katalonien. Er kritisierte die Festnahme von Puigdemont in Deutschland. Damit hatte er die Vereinbarung verletzt, sich mit seinen öffentlichen Kommentaren nicht in Angelegenheiten anderer Staaten einzumischen. Die Botschaft schnitt Assange vom Internetzugang ab. Der WikiLeaks-Gründer hat nun bereits seit sechs Wochen keinen Zugang zum Internet mehr und darf weder Besucher empfangen, noch mit Journalisten sprechen oder telefonieren.

Der neue ecuadorianische Präsident Lenin Moreno möchte den ungeliebten und zudem teuren Gast so schnell wie möglich loswerden. Wie Maria Fernanda Espinosa am 9. Mai erklärte, wolle ihre Regierung zusammen mit der britischen Regierung, “die Frage endgültig lösen”. So suche man nach einem Ausweg, der weder das internationale Recht noch die Menschenrechte von Assange verletzt. Man wolle alle diplomatischen Mittel ausschöpfen und in einen Dialog mit der britischen Regierung eintreten. Bislang ist London jedoch nicht bereit, mit sich reden zu lassen.

Assange hatte sich 2012 in die Botschaft Ecuadors in London geflüchtet, um sich vor einer drohenden Auslieferung an die USA zu schützen. Der Grund dafür waren US-Geheimdokumente über die Kriege im Irak und in Afghanistan, die Wikileaks verbreitet hatte. Obwohl Schweden den internationalen Haftbefehl zurückgezogen hat, könnte Großbritannien ihn wegen der Verletzung der Kautionsbedingungen in Haft nehmen. Zwar haben die USA noch keine Anklage erhoben und keinen Auslieferungsantrag gestellt, das wäre jedoch zu erwarten, sobald die britische Polizei ihn festnimmt.

Bildquelle: PIRO4D, thx! (CC0 Public Domain)

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