Razzia in Rosenheim: Schlag gegen illegale Pay-TV-Hacker

Razzia in Rosenheim: Schlag gegen illegale Pay-TV-Hacker

Am 8. Mai 2018 fand unter Federführung der ZCB und der KPI Rosenheim eine groß angelegte Razzia statt. Dabei wurden drei Privatwohnungen und 13 Gewerbebetriebe im Bereich der Polizeipräsidien Oberbayern Süd, Oberbayern Nord, Schwaben Süd/West und in Baden-Württemberg durchsucht. Im Einsatz befanden sich neben einem Staatsanwalt der ZCB ca. 50 Polizeibeamte und 14 forensische Sachverständige. Die Polizei ermittelt gegen einen 27-Jährigen aus Bayern. Er soll seinen Kunden ermöglicht haben, kostenpflichtige Fernsehsender entschlüsselt zu empfangen. Auch Programme des großen deutschen Anbieters Sky waren betroffen. Aus ermittlungstechnischen Gründen wurde die Öffentlichkeit erst gestern darüber informiert in einer Pressemitteilung der Polizei Bayern.

In Bayern hat die Polizei einen 27-Jährigen Verdächtigen aus dem südlichen Landkreis Rosenheim festgenommen, der einen illegalen Pay-TV-Streamingdienst, vor allem im Sport-Segment, entschlüsselt und auf eigene Rechnung für mehr als 500 Kunden zur Verfügung gestellt haben soll. Der Beschuldigte hat es Dritten ohne Abonnement mit dem jeweiligen Fernsehanbieter ermöglicht, verschlüsseltes Bezahlfernsehen zu empfangen. Der Beschuldigte verlangte als Gegenleistung einen im Vergleich zum Anbieter stark reduzierten, aber für ihn dennoch lukrativen Preis. Bisherigen Ermittlungen zufolge beläuft sich der Schaden für die Bezahlsender auf rund 250.000 Euro.

Der 27-Jährige soll für sein Geschäftsmodell Card-Sharing-Server, die in Deutschland, aber auch im benachbarten Ausland stationiert waren, benutzt haben. Diese verteilen die Decoder-Schlüssel via Internet an speziell manipulierte Receiver beziehungsweise IPTV-Boxen, die der Rosenheimer seinen Kunden aushändigte. Sie empfingen damit verschlüsselte Inhalte, ohne ein kostenaufwendiges Abonnement abzuschließen. Die Polizei hat bisher mehr als 500 Kunden ermittelt, die den illegalen Dienst in Anspruch genommen haben sollen. Zum Kreis seiner Kunden, die etwa zur Hälfte aus der Region stammen, gehörten sowohl Privatpersonen als auch Gewerbebetriebe. Allen voran Gaststätten, die auf diese Weise die kostenintensiven gewerblichen Nutzungsgebühren umgehen konnten.

Bei der Razzia wurde umfangreiches Beweismaterial (unter anderem 135 Receiver, zehn Computersysteme und 40 Mobiltelefone), sowie eine große Datenmenge von über 50 Terabytes sichergestellt. Allein in Deutschland wurden fünf Server und im europäischen Ausland (Österreich, Frankreich, Niederlande) im Wege der Rechtshilfe vier Server beschlagnahmt. Die Auswertung des Beweismaterials wird sich über mehrere Monate erstrecken. Die Ermittlungen über den umfangreichen und technisch komplexen gewerbsmäßigen Computerbetrug erstrecken sich nun bereits über einen Zeitraum von einem Jahr und werden geleitet von der Zentralstelle Cybercrime Bayern und dem K 11 der Kriminalpolizeiinspektion Rosenheim.

Wie die fünfköpfige Ermittlungsgruppe „EG Streams“ des K121 Cybercrime der Kripo Rosenheim und die spezialisierten Staatsanwälte der Zentralstelle Cybercrime Bayern (ZCB) in Bamberg dem 27-Jährigen auf die Spur kamen, dazu wollen sie sich gegenwärtig „aus ermittlungstaktischen Gründen“ nicht äußern.

Aktuell wird geprüft, ob noch gegen weitere Beteiligte sowie Kunden Ermittlungen eingeleitet werden, auch aus Gründen, weil Gewerbetreibende die illegalen Dienste in Anspruch genommen hatten. Der beschuldigte 27-Jährige befindet sich derzeit wieder auf freiem Fuß. Erst nach der Auswertung des Beweismaterials wird sich abzeichnen, mit welchen juristischen Konsequenzen er zu rechnen hat. Welches Nachspiel der Fall für dessen Kunden hat, ist zum derzeitigen Zeitpunkt der Ermittlungen ebenso noch offen.

Bildquelle: geralt, thx! (CC0 Public Domain)

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