Sibylle Berg Exklusivinterview: Pretty Easy Privacy

Sibylle Berg Exklusivinterview: Pretty Easy Privacy

Mit digitaler Verschlüsselungssoftware gegen allseitige Überwachung. In einer Zeit, in der allumfassende Überwachung bis hin zum gläsernen Menschen schon bald keine Utopie mehr sind, bekommen Verschlüsselung und Datenschutz zur Sicherung der Privatspäre völlig neue Stellenwerte und sind so bedeutend wie nie zuvor. Wer derzeit seine Kommuniktion verschlüsseln möchte, braucht dafür umfassende technische Kenntnisse. Nicht jeder beherrscht das dafür erforderliche Vokabular, um entsprechende Erklärungen so umzusetzen, dass das Ergebnis befriedigt. Eine Lösung, um den Prozess für jedermann anwenderfreundlich, leicht verständlich und dabei jedoch auch wirkungsvoll umzusetzen, damit es sich als allgemeiner Standard durchsetzt, präsentiert nun die eigens dafür gegründete Europäische gemeinnützige Genossenschaft PEP Coop.

Auf ihrer Webseite  werben Gründer, wie Sibylle Berg, Marc-Uwe Kling und Juli Zeh sowie der Richter am Berliner Verfassungsgerichtshof Meinhard Starostik und viele weitere Netzaktivisten und Beteiligte, mit keinem geringeren Ziel als einer “Neuaufstellung des gesamten Netzes” im Kampf gegen die Überwachung zum Schutz der Privatsphäre mit den “Mitteln der Kybernetik” um Mitglieder. Das Resultat will man erreichen mit einer Entwicklung von Verschlüsselungstools auf der Basis der Open Source-Verschlüsselungslösung Pretty Easy Privacy (pEp). Zunächst sind Browser-Erweiterungen zur Verschlüsselung von E-Mails geplant. Zudem sollen dann auch Social-Media-Direktnachrichten, die über die Plattformen verschickt werden, darüber verschlüsselt werden. Ein Fernziel liegt im Aufbau eines anonymen Peer-to-Peer Netzwerkes auf Basis des Open-Source-Frameworks GNUnet. Alle entwickelten Apps und Plug-Ins werden frei zur Verfügung gestellt.

Wir haben Sibylle Berg in einem Exclusivinterview bezüglich ihres gemeinsamen, wegweisenden und zukunftsträchtigen Projekts gefragt, worum es ihr dabei persönlich geht, warum sie sich dort engagiert, wie die Idee dazu zustande kam und wer federführend ist. Hier ihre Antwort:

Ich bin vor einem Jahr im Rahmen der Recherche für mein neues Buch in den Chaos Computer Club Zürich gekommen und habe da Volker Birk und Hernani Marquez kennengelernt. Die bereits seit geraumer Zeit an Konzept und Umsetzung des pEp Projects sitzen. Ich bin ein Nerd ohne Programmierkentnisse und war recht schnell begeistert, weil mich die Kaputtheit des Netzes seit langem beelendet. Und weil ich ahne, in welche Abgründe totale Überwachung der Bürger, wie es jetzt immer mehr zunimmt, führen kann. Die Idee, eine Genossenschaft zu gründen, kam von Meinhard Starostik, vor einem dreiviertel Jahr. Wir haben dann neben dem Konzept, der Organisation, dem Behördlichen überlegt, dass es wichtig ist, mehr engagierte Nicht-Techniker in die Gründung der Genossenschaft einzubeziehen. Juli Zeh und Marc Uwe Kling sind beide in unterschiedlichen Feldern digitalpolitisch engagiert. So kam es dazu, sie anzufragen. Und nun: voila- sind sie dabei.

Grundsätzlich ist aber jeder dazu aufgerufen mitzumachen, sich daran zu beteiligen und sich einzubringen, indem er mitentscheidet, “welche Tools gebaut werden“. Für einen Erfolg des Projektes ist natürlich auch die Mitgliederzahl entscheidend, denn: “Dazu müssen wir viele sein. Richtig viele. Milliarden. Weltweit.” Eine Registrierung auf der Homepage www.pep.coop ist jederzeit möglich.

Anmerkung der Redaktion: Das Projekt will nicht als fixe Idee einiger abgehobener Promis verstanden werden. Es geht hier vielmehr um eine große Gruppe, die Genossenschaft macht, für die Menschen. Also um Gründer wie Andreas Buff, Dr. Nana Karlstetter, einen Riesentross an Programmierern und Unterstützern aus allen möglichen Bereichen, Robert Goldmann ist zum Beispiel Finanzexperte. Das pEp ist in erster Linie harte Code-Arbeit mit Unterstützung vieler fleißiger Helfer. Darunter zum Glück prominente Mitglieder, die beim Verbreiten mithelfen, die helfen mitzudenken, die dabei helfen es groß zu machen, unterstützt auch durch die von uns sehr geschätzte und von mir verehrte Sibylle Berg.

Bildquelle: Sibylle Berg, Fotograf ist Joseph Strauch

Andreas kann sicher erreicht werden über Signal oder auch über WhatsApp +47 925 40 614.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.