Bitcoin-Mining behindert Aliensuche

Bitcoin-Mining behindert Aliensuche

Astronomen, die im Rahmen des SETI-Programms nach Signalen außerirdischer Zivilisationen suchen, schlagen Alarm: Der Hype um das Bitcoin-Mining sorgt derzeit für eine Unterversorgung an GPU-Grafikprozessoren, die jedoch für die computerisierte Suche nach Alien-Signalen unerlässlich sind, berichtet BBC.

Sind sie irgendwo da draußen, die Aliens, oder sind wir allein im Universum? Diese Frage trieb schon viele Menschen um, beantwortet ist sie bis heute nicht. Eine mögliche Antwort ist bestenfalls: vielleicht. Stephen Hawking ist sich allerdings schon lange sicher, dass es im All noch mehr Leben gibt als nur das auf unserem Planeten Erde. Beim Seti-Projekt (Search for Extraterrestrial Intelligence) horchen Wissenschaftler bereits seit geraumer Zeit auf Signale aus den Tiefen des Kosmos – bislang ohne jeglichen Erfolg. Derzeit jedoch kämpfen sie aufgrund des Hypes um die Cyberwährungen zunehmend mit Schwierigkeiten. Statt in Radiosignalen nach außerirdischem Leben zu lauschen, begeben sie sich nun auf die Suche nach den neuesten GPU-Grafikprozessoren.

Dan Werthimer, Chief Scientist beim SETI-Programm in Berkeley, beschreibt das Problem wie folgt: „Wir würden gerne die neuesten GPUs verwenden, aber wir bekommen sie einfach nicht. Das schränkt uns bei der Suche nach Außerirdischen und der Beantwortung der Frage ‚Sind wir allein? Ist da draußen jemand?‘ stark ein. Bei SETI wollen wir so viele Frequenzkanäle wie möglich betrachten, weil wir nicht wissen, auf welcher Frequenz Außerirdische senden. Das kostet viel Rechenleistung.” Der Forscher führt weiter aus, dass an einigen Teleskopen etwa 100 GPUs installiert seien, die Daten von großen Systemen verarbeiten. Diese können die schwächsten Radiofrequenzen aufnehmen, die von anderen Orten im Universum über unser Sonnensystem geschleudert wurden — oft von Naturphänomenen, wie von kollabierenden Sternen. Derzeit werden Analysen solcher Daten an zwei Observatorien ausgebaut — Green Bank im US-Bundesstaat West Virginia und Parkes in Australien. Das SETI-Programm ist somit angewiesen auf die leistungsstarken Prozessoren, denn nur sie können die komplexen Berechnungen, die für die Analyse von Radiosignalen notwendig sind, besonders schnell durchführen. Gerade in den vergangenen Monaten, als der Hype um Kryptowährungen seinen vorläufigen Höhepunkt erreicht hat, sei das Problem spürbar gewesen. Die fehlenden GPUs halten die Forscher auf, in ihren Bemühungen voranzukommen: „Wir haben das Geld, aber die Verkäufer sagen: ‚Wir haben die GPUs einfach nicht‘“, so Werthimer. Zuletzt bat sogar Grafikkarten-Hersteller Nvidia öffentlich darum, dass Händler diese nur mehr in „Haushaltsmengen“ verkaufen, um sicherzustellen, dass Gamer den Vorzug erhalten.

Das Ziel der SETI-Forscher ist es, zu entschlüsseln, ob es sich bei den empfangenen Signalen um natürliche Phänomene handelt oder tatsächlich um Spuren außerirdischen Lebens. Die Wissenschaftler werten dabei Radiosignale aus der Milchstraße sowie den 100 nächstgelegenen Galaxien aus. Bei der Suche nach Außerirdischen kann übrigens jeder mithelfen. Bereits 1999 hatte die University of California in Berkeley das Projekt Seti at home gestartet. Dabei muss nur die Seti-Software auf dem eigenen Rechner installiert werden – dessen Rechenpower wird dann für die Analyse der Funksignale genutzt.

Ganz ähnlich verhält es sich auch beim Bitcoin-Mining. Der Boom und die innerhalb eines Jahres um mehrere tausend Prozent gestiegenen Kurse von Bitcoin, Ethereum & Co. locken zahlreiche Hobby-Spekulanten. Und wer nicht selbst Geld einsetzen möchte, betreibt Bitcoin-Mining und mined sich die virtuelle Währung einfach selbst. Bei Kryptowährungen werden Transaktionen in Blöcken zusammengefasst, den Blockchains. Jeder Block hat einen Hashwert, eine Art Prüfsumme, der die Hashwerte der einzelnen Transaktionen enthält, sowie den Hashwert des vorigen Blocks. Miner fungieren bei Währungen, wie Bitcoin und Ethereum, als Rechnungsprüfer. Sie bestätigen die Korrektheit der Transaktionen, dass Person A der Person B wirklich die jeweiligen Bitcoins geschickt hat. Für dieses Verifizieren der Transaktionen erhalten sie als Belohnung die Gebühren der Transaktionen, die in diesem Block enthalten sind. Je nach Transaktionsvolumen liegt das derzeit zwischen 0,4 und 2 Bitcoin. Zusätzlich erhalten sie 12,5 Bitcoin für das Erstellen eines Blocks. Die Belohnung für das Erstellen des Blocks soll sicherstellen, dass möglichst viele Personen Mining betreiben, da extrem viel Rechenleistung für das Erstellen eines Blocks nötig ist. Viele verschiedene Miner bedeutet also auch eine dezentrale Aufteilung der Rechenleistung. Krypto-Miner benötigen deshalb ebenfalls die leistungsstarken Grafikkarten und eine solche Hardware verbraucht zudem viel Energie.

Bildquelle: NeuPaddy, thx! (CC0 Public Domain)

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